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China ist seit 2009 der größte Automobilmarkt der Welt und hat Japan 2023 als größten Autoexporteur abgelöst. Beides ist in der Branche bekannt. Die Daten aus 2025 und 2026 zeigen etwas anderes: Der Druck geht inzwischen von China aus, und der Ausblick der Automobilindustrie für 2027 ergibt sich aus vier Verschiebungen.

  1. China exportiert seine Überkapazitäten. Der Pkw-Einzelhandelsabsatz in China lag 2026 in den meisten Monaten unter Vorjahr. Im Januar wurde die Kaufsteuerbefreiung für New Energy Vehicles halbiert, und BYD hatte den Preiskampf bereits 2025 mit Preissenkungen von bis zu 34 % verschärft. Werke, die für einen wachsenden Heimatmarkt gebaut wurden, sind nun auf Exporte angewiesen, und jeder offene Markt spürt das in den Preisen.
  2. Technologie fließt heute von China in den Westen. Volkswagen hat 2026 in China die Serienproduktion auf einer gemeinsam mit Xpeng entwickelten Elektronikarchitektur gestartet. Stellantis bereitet die Fertigung von Leapmotor-Fahrzeugen in Spanien vor, und Porsche bildet für seine EU-Flottenemissionen einen Pool mit Xpeng. Zugleich hat Stellantis für 2025 den ersten Jahresverlust seiner Geschichte ausgewiesen, nach Abschreibungen von rund 20 Mrd. Euro im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen.
  3. Die Elektromobilität entwickelt sich in drei Geschwindigkeiten. New Energy Vehicles erreichten im August 2026 einen Rekordanteil von 65 % am chinesischen Pkw-Einzelhandelsabsatz. Batterieelektrische Pkw kamen in diesem Jahr auf mehr als 20 % der Neuzulassungen in der EU, während der Absatz in den USA nach dem Auslaufen der staatlichen Steuergutschrift im September 2025 zurückging. Die Politik spaltet sich auf die gleiche Weise. Brüssel hat für 2035 ein CO2-Minderungsziel von 90 % statt 100 % vorgeschlagen, Washington hat die Strafzahlungen bei Verfehlung der Flottenverbrauchsvorgaben auf null gesetzt und Kaliforniens Sonderrecht für eigene Zero-Emission-Vorgaben widerrufen.
  4. Lieferketten sind zum Instrument der Geopolitik geworden. Die USA erheben 25 % Zoll auf importierte Autos und Teile, für die EU, Japan und Südkorea gelten nach den Handelsabkommen von 2025 15 %. Chinesische Exportkontrollen auf Seltenerdmagnete haben 2025 Produktionslinien stillgelegt, und der Streit um Nexperia hat Chiplieferungen an europäische Autohersteller binnen Wochen unterbrochen. Die teilweise Aussetzung der chinesischen Kontrollen für Seltene Erden gilt bis zum 10. November 2026.

Für F&E-, Strategie- und Produktteams wird jede dieser Verschiebungen zur Portfoliofrage. Welche E-Programme verdienen mehr Budget, während Wettbewerber zurückfahren? Welche Technologien entwickeln Sie selbst, und welche lizenzieren Sie von chinesischen oder Tech-Partnern? Welche Single-Source-Abhängigkeiten beseitigen Sie vor der nächsten Restriktion? Dieser Report bündelt die Evidenz für diese Entscheidungen, Trend für Trend.

Entdecken Sie das Automobil-Trendradar 2027+

Jeder Trend auf dem Radar trägt zwei Bewertungen. Die Zeit bis zur Marktwirkung zeigt, wann er wesentlich relevant wird, von 0-2 bis 10+ Jahren. Die potenzielle Wirkung reicht von niedrig bis sehr hoch.

Veränderungen in der 2027 Edition

Der Report 2027 umfasst 66 Trends, nach 75 im Vorjahr. 22 Trends haben wir übernommen und vollständig überarbeitet, 44 Einträge sind neu. Einige der neuen Einträge, etwa zu Festkörperbatterien und automatisiertem Fahren, ersetzen Vorjahrestrends zum selben Thema durch eine neue These.

Was wir gestrichen haben

Die meisten Streichungen betrafen Trends, die zu Allgemeinplätzen geworden waren. Jeder Leser dieses Reports weiß, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung wichtig sind, und eine Trendkarte, die das wiederholt, bringt keinen Erkenntnisgewinn. Trends mit starken Überschneidungen haben wir zu präziseren Einträgen zusammengeführt. Aus dem Report entfernt wurden unter anderem Blockchain für Transparenz in der Lieferkette, Autonomous Fleet-as-a-Service, die steigende Nachfrage nach erneuerbarem Strom beim Laden von Elektrofahrzeugen und die wachsende Bedeutung der Fahrzeugpersonalisierung.

Neue Trends 2027

  • Chinas Preiskampf und Überkapazitäten. Ein Heimatmarkt, der nicht mehr wächst, schickt seine überschüssigen Fahrzeuge ins Ausland.
  • Der Gewinndruck bei westlichen OEMs. Die Budgets für Elektrofahrzeuge, Software und Batterien schrumpfen genau in der teuersten Phase dieser Programme.
  • Einbrechende Restwerte gebrauchter Elektrofahrzeuge. Firmenflotten melden in Europa die Mehrheit der Neuwagen an, und schwache Wiederverkaufswerte verteuern das Leasing von Elektrofahrzeugen.
  • End-to-End-KI-Modelle für das automatisierte Fahren. Tesla und chinesische OEMs trainieren Fahrverhalten mit Flottendaten, und damit liegt der Vorteil bei dem, der Daten und Rechenleistung besitzt.
  • Tier-1-Zulieferer unter Druck von zwei Seiten. OEMs übernehmen die Software, Chiphersteller und chinesische Plattformanbieter die Rechenplattform.
  • Natrium-Ionen-Batterien in Serienproduktion. CATL fertigt sie in großem Maßstab, und der westlichen Industrie droht derselbe Rückstand wie bei LFP.
  • Automobilzulieferer wechseln in die Verteidigung. Rheinmetall stellt Automobilwerke auf Rüstungsproduktion um, und Schaeffler baut mit Helsing Drohnen.

Hochgestuft

Handelspolitik stieg von mittlerer auf sehr hohe Wirkung. US-Zölle auf Autos und Teile, EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos und Local-Content-Regeln entscheiden heute darüber, wo Fahrzeuge und Komponenten gebaut werden.

Exportkontrollen stiegen von hoher auf sehr hohe Wirkung, und ihre Wirkung hat sich von vier bis sechs Jahren auf die nächsten zwei Jahre vorgezogen. Der Trend umfasst jetzt neben kritischen Rohstoffen auch Chips.

CO2-Regulierung für Fahrzeuge stieg von hoher auf sehr hohe Wirkung, mit neuer These. Die Vorjahresausgabe beschrieb strengere Zero-Emission-Vorgaben, diese Ausgabe beschreibt deren Lockerung in der EU und den USA, während China weiter auf Elektrifizierung setzt. Antriebsstrategien ändern sich dadurch bereits jetzt.

Europäische Energiepreise stiegen von mittlerer auf hohe Wirkung. Industriestrom und Gas sind in Europa seit 2022 deutlich teurer als in den USA oder China, und das belastet Stahl, Aluminium, Lackierereien und Batteriezellwerke.

Herabgestuft

Brennstoffzellen-Pkw fielen von hoher auf mittlere Wirkung. Nikola hat Insolvenz angemeldet, Hyzon wurde aufgelöst, und Stellantis ist aus dem Wasserstoff ausgestiegen.

Mobility-as-a-Service fiel von hoher auf mittlere Wirkung, nachdem BMW und Mercedes-Benz Share Now und FreeNow verkauft haben. Falls der private Autobesitz tatsächlich zurückgeht, sind Robotaxis die wahrscheinlichere Ursache.

V2X fiel von hoher auf mittlere Wirkung. Außerhalb Chinas fehlt weiterhin die kritische Masse, und Mobilfunknetze und Cloud-Dienste decken die meisten Anwendungsfälle ab.

Zusammengenommen beschreiben die Änderungen eine Branche, in der westliche Regulierer den Druck lockern, während der Wettbewerb aus China härter wird.

Trends in der automobilen Lieferkette 2027

In der Lieferkette trifft die Geopolitik die Automobilindustrie zuerst. Exportkontrollen auf Seltene Erden, Batterierohstoffe und Chips haben gezeigt, wie schnell eine verborgene Abhängigkeit eine Produktionslinie stoppt, und Zölle verschieben, wo Teile gefertigt werden. Klassische Tier-1-Zulieferer stehen OEMs gegenüber, die die Software selbst verantworten wollen, und Chipherstellern, die Rechenplattformen direkt verkaufen. Europas Streben nach Batterieunabhängigkeit verliert wegen der Kosten an Schwung. CO2-Grenzausgleich und Regeln gegen Zwangsarbeit verlangen zusätzlich verifizierte Daten von Zulieferern über mehrere Stufen hinweg.

Drei Lieferketten-Trends stechen heraus:

Zusammenfassung: Exportbeschränkungen haben 2025 Produktionslinien der Autoindustrie stillgelegt. Früher bedeutete Lieferrisiko eine globale Knappheit. Heute bedeutet es eine politische Entscheidung, die auf einen Rohstoff oder ein Unternehmen zielt, oft mit nur wenigen Tagen Vorlauf.

Aktuelle Situation: Seit 2023 hat China Gallium, Germanium, Graphit und Antimon unter Exportkontrolle gestellt. Im April 2025 kamen sieben mittelschwere und schwere Seltene Erden sowie die daraus gefertigten Magnete hinzu, und Ford musste die Explorer-Produktion in Chicago vorübergehend stoppen. Eine im November 2025 mit den USA vereinbarte teilweise Aussetzung gilt bis zum 10. November 2026. Danach folgten die Chips. Im Oktober 2025 übernahm die niederländische Regierung die Kontrolle über die Unternehmensführung von Nexperia. Peking blockierte daraufhin den Export von Nexperia-Chips, die in China gehäust werden, und europäischen Autoherstellern und Zulieferern gingen binnen Wochen die Bauteile aus. Die DR Kongo, der dominierende Kobaltproduzent, setzte 2025 die Exporte aus und führte anschließend Quoten ein.

Erwartete Entwicklung: Exportkontrollen bleiben bis 2030 im Einsatz, gezielt angewendet und als Verhandlungsmasse genutzt. Am besten bestehen OEMs und Zulieferer, die wissen, welche Teile von einem einzigen chinesisch kontrollierten Vorprodukt abhängen, die eine zweite Quelle qualifiziert haben und die für die wenigen schwer ersetzbaren Teile Sicherheitsbestände halten.

Herausforderungen: Die Abhängigkeiten liegen meist drei oder vier Stufen tief und damit außerhalb der Sicht der meisten OEMs. Neue Raffinerie- und Chipkapazitäten außerhalb Chinas brauchen Jahre. Dual Sourcing und Sicherheitsbestände kosten jedes Quartal Geld, und vielen Tier-2- und Tier-3-Zulieferern fehlen Daten und Budget, um das Risiko zu steuern.

Zeit bis zur Marktwirkung: 0-2 Jahre
Potenzielle Wirkung: Sehr hoch
STEEP-Segment: Politisch
Entwicklung in diesem Jahr: Hochgestuft

Trends in der Automobilproduktion 2027

Chinesische Werke setzen heute den Kostenmaßstab in der Fahrzeugfertigung. China installiert jedes Jahr mehr als die Hälfte aller neuen Industrieroboter weltweit, und seine OEMs verbinden diese Automatisierung mit Skalierung und kurzen Entwicklungszyklen. Westliche Hersteller antworten mit zonalen Elektronikarchitekturen, softwaredefinierten Werken, Gigacasting und neuen Batterieprozessen. Sie tun das mit weniger Kapital und mit europäischen Energiepreisen, die Wettbewerber anderswo nicht zahlen. Auch der Dekarbonisierungsdruck hat sich verlagert, von Werkszielen hin zu Stahl, Aluminium und Batteriezellen, die OEMs einkaufen.

Drei Produktionstrends stechen heraus:

Zusammenfassung: China hat Produktionskapazitäten für einen Markt aufgebaut, der nicht mehr wächst. Der folgende Preiskampf drängt schwächere Marken aus dem Markt, und der Überschuss geht ins Ausland. Für jeden OEM außerhalb Chinas ist das die Wettbewerbskraft, mit der er bis 2030 planen muss.

Aktuelle Situation: Dutzende Marken konkurrieren über den Preis, und BYD senkte 2025 die Preise vieler Modelle um bis zu 34 %. Der Pkw-Einzelhandelsabsatz in China lag 2026 nach der Halbierung der Kaufsteuerbefreiung für New Energy Vehicles in den meisten Monaten unter Vorjahr, während die Exporte weiter stiegen. Viele chinesische OEMs schreiben Verluste. Die Muttergesellschaft der Marke Neta hat 2025 ein Insolvenzverfahren eingeleitet, und Peking hat die Branche öffentlich vor ruinösem Preiswettbewerb gewarnt.

Erwartete Entwicklung: Der chinesische Markt konsolidiert sich zu weniger, größeren Konzernen, die schlanker und schneller daraus hervorgehen. Sie werden ihre Werke über Exporte und lokale Produktion im Ausland auslasten. Westliche OEMs verlieren weiter Marktanteile in China und treffen dieselben Wettbewerber in Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Südostasien.

Herausforderungen: Lange Zahlungsziele verlagern die Verluste auf die Zulieferer. Peking kann den Markt über Konsolidierungsvorgaben oder Preisregeln schnell umgestalten. Im Ausland stehen chinesische Marken weiterhin vor Zöllen, Local-Content-Regeln und dem langwierigen Aufbau von Händlernetzen, Service und Vertrauen in die Restwerte.

Zeit bis zur Marktwirkung: 0-2 Jahre
Potenzielle Wirkung: Sehr hoch
STEEP-Segment: Ökonomisch
Entwicklung in diesem Jahr: Neu

Trends in der Fahrzeugnutzung 2027

Kosten und Politik prägen Kauf und Nutzung von Fahrzeugen weit stärker als Technologieankündigungen. Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen unterscheidet sich stark nach Region, und in westlichen Märkten hängt sie heute von Kaufpreis, Versicherungskosten und Restwerten ab. Regulierer bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen: China treibt die Elektrifizierung weiter voran, während die EU und die USA ihre Ziele lockern. Beim automatisierten Fahren liegt das Geld in Robotaxi-Flotten und überwachten L2+-Systemen. Mercedes-Benz, der erste OEM mit zertifiziertem L3 in Deutschland, hat seinen Drive Pilot 2026 pausiert, um sich auf fortgeschrittenes L2 zu konzentrieren.

Drei Nutzungstrends stechen heraus:

Zusammenfassung: Die Elektromobilität hat sich in drei Geschwindigkeiten aufgespalten: Rekordanteile in China, stetiges Wachstum in der EU und ein Rückgang in den USA seit dem Ende der staatlichen Förderung. Westliche OEMs kürzen ihre E-Pläne, um die Margen zu schützen, während chinesische OEMs Skalierung aufbauen, die sie ins Ausland tragen werden.

Aktuelle Situation: Die IEA erwartet für 2026 weltweit rund 23 Millionen verkaufte Elektroautos, fast jeder dritte Neuwagen. New Energy Vehicles erreichten im August 2026 einen Rekordanteil von 65 % am chinesischen Pkw-Einzelhandelsabsatz. In der EU überschritten batterieelektrische Pkw 2026 die Marke von 20 % der Neuzulassungen, in Deutschland unterstützt durch eine neu aufgelegte Kaufprämie. In den USA ging der Absatz nach dem Auslaufen der staatlichen Steuergutschrift im September 2025 zurück. GM, Ford, Porsche, Stellantis und andere haben E-Investitionen abgeschrieben oder Ziele gesenkt.

Erwartete Entwicklung: Die Verbreitung bleibt schnell in China und in Schwellenmärkten, die von chinesischen Marken beliefert werden, stetig in Europa und langsam in den USA. Globale OEMs brauchen für jede Region einen anderen Antriebsmix. Wer E-Programme bremst, um die Margen im Heimatmarkt zu schützen, zahlt einen Preis: Elektrofahrzeuge werden in den 2030er-Jahren das globale Volumen dominieren, und Chinas Vorsprung wächst mit jedem Jahr, das westliche Programme warten.

Herausforderungen: Getrennte regionale Strategien vervielfachen Entwicklungs- und Kapitalbedarf. Viele westliche OEMs verdienen an Elektrofahrzeugen weiterhin kein Geld. Förderänderungen lassen die Nachfrage binnen Monaten schwanken, und Werke, die für eine schnellere Verbreitung ausgelegt sind, laufen unter Kapazität.

Zeit bis zur Marktwirkung: 0-2 Jahre
Potenzielle Wirkung: Sehr hoch
STEEP-Segment: Ökologisch
Entwicklung in diesem Jahr: Neu eingeordnet

Die vollständige Liste umfasst alle 66 Trends, jeweils mit aktueller Situation, erwarteter Entwicklung, Herausforderungen und Bewertungen. Laden Sie sie für Ihr nächstes Strategie-Review, Ihren Portfolio-Workshop oder Ihre Roadmap-Planung herunter.

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