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Die Mobiliar: Mit Trendmonitoring Zukunft gestalten

Dienstag, 02. Juni 2020

Maren Kottler über das Trendmonitoring bei der Schweizer Assekuranz die Mobiliar

Wir alle beschäftigen uns tagtäglich mit der Zukunft. Sei es die Frage, was wir zu Mittag essen, oder wo wir unseren nächsten Urlaub verbringen werden. Alle Entscheidungen, die wir im Hier und Jetzt fällen, haben einen Einfluss darauf, wie sich unsere Zukunft gestaltet. Maren Kottler von der Schweizer Versicherungsgesellschaft die Mobiliar beschäftigt sich sogar beruflich mit der Zukunft - und das sehr leidenschaftlich.

Ich weiß zwar nicht, was morgen ist, aber ich habe Lust, es herauszufinden.

Als Leiterin des Innovationsmanagements ist sie bei der Mobiliar für Foresight und Trendmonitoring zuständig. Zusammen mit ihrem Team setzt sie alles daran das Übermorgen auszuloten, um bereits heute eine Zukunft (mit) zu gestalten, in der die Mobiliar langfristig Bestand hat. Und wie genau das funktioniert, hat Sie uns in einem lockeren Gespräch mit unserem CEO Mike Durst verraten.

Innovation passiert nicht in irgendeiner Schublade und wird auch nicht von einem Einzelnen geschultert. Erfolgreiches Innovieren braucht ein Team.

Warum sich die Mobiliar ein komplett eigenständiges Ökosystem aus 20 kreativen und innovativen Köpfen aufgebaut hat, welches sich ausschließlich mit den Themen Trendmonitoring und Foresight befasst, wird klar, wenn man einen Blick hinter die Kulissen wirft. 'Innovation' wird bei der Mobiliar als zweigleisiges Modell betrieben: Zum einen gibt es die Aktivitäten, die sich rein auf das interne Kerngeschäft fokussieren, sprich Weiterentwicklungen rund um das Thema Versicherung - sozusagen das Mutterschiff. Und dann sind da noch die “Schnellboote”. Hierbei handelt es sich um kleine wendige Teams, die das gesamte Umfeld nach neuen, validen Geschäftsmodellen abscannen, mit dem Ziel, immer die richtigen Produkte und Dienstleistungen in Abstimmung mit den externen Entwicklungen in den Fokus der Aktivitäten zu rücken und bei erfolgreicher Umsetzung in die Gesamtorganisation zu integrieren. Besonderheit hier: durch den geschulten Einsatz unterstützender Tools wie Design Thinking werden die Mitarbeiter methodisch und strukturiert dazu befähigt, den Blick bewusst in die Zukunft zu richten, um eruieren zu können, welche Trends und Entwicklungen auf einen zukommen.

Trendmonitoring - ein wachsender Prozess

Der Gedanke Innovationsmanagement als integralen Bestandteil in die Mobiliar einzugliedern, entstand erstmals 2011. Erste Basis war ein Trendreport zur Bewertung von Chancen und Risikien aktueller Trends und Marktdynamiken auf einer zweijährlichen Basis. Parallel dazu wurden Innovationsschwerpunkte definiert, um dann 2013 aktiv mit dem Umfeldscanning hinsichtlich möglicher Trendthemen innerhalb dieser Innovationsschwerpunkte zu beginnen. Nach anfänglichen Ausflügen in eher versicherungsfremde Themen wie die Implementierung einer Lernplattform zum Thema Mobilität, dem Aufbau eines “Free Floating E-Bike Sharing Systems” in Zürich (inzwischen ausgegründet) und diversen Kooperationen mit Startups, liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten mittlerweile wieder auf dem Kerngeschäft, mit dem Ziel, das interne Ökosystem stärker aufzubauen und eine gesamtheitliche Kundenerlebniskette rund um das Thema Versicherungen zu bieten.

‘Was dabei für Mobiliar oder für Assekuranzen im Allgemeinen die größten Themenfelder sind, wenn es um die Aufdeckung relevanter Trends und Veränderungen geht?’ möchten wir wissen. Die Kernthemen, in denen man sich hier bewegt, sind sehr vielschichtig, so Maren Kottler. Eines der wichtigsten Themen sind die sich immer wieder ändernden Kundenbedürfnisse. Die Welt dreht sich immer schneller und wird immer dynamischer. Dasselbe sehe man auch bei den Needs der Kunden. Am liebsten immer alles auf Knopfdruck im Hier und Jetzt. Konkret bedeutet das z. B. heute einen Schaden melden und schon morgen das Geld auf dem Konto haben. Ein ganz wesentlicher Punkt ist in diesem Zusammenhang auch das Thema Daten-Ethik; die Welt dreht sich nicht nur schneller, sondern sie ist auch immer mehr vernetzt. Daten - oft hochsensibel - werden überall gespeichert; die Kunden haben ein größeres Bewusstsein dafür entwickelt und möchten wissen, was mit ihren Daten passiert. Diese Transparenz wird von Kundenseite immer mehr eingefordert. Doch auch externe Faktoren, wie neue Technologien (Big Data, Blockchain etc.), neue Akteure am Markt oder ökologische Entwicklungen wie immer komplexer werdende Naturereignisse/ Unwetterkatastrophen sind zentrale Kernthemen bei der Identifizierung von Trends. Und dann ist da auch noch der bewusste Blick über den Tellerrand hinaus auf der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern, mit dem Ziel sich zusammenzuschließen, um dem Kunden ein Leistungsspektrum bieten zu können, das über den 'normalen Standard' hinausgeht und um ihn auch langfristig strategisch führen zu können.

Die Welt dreht sich immer schneller; das merken wir auch bei unseren Kunden.

Bis 2019 war das Trendmonitoring der Mobiliar ein eher langwieriger und manueller Prozess: das Internet war Recherchequelle Nummer 1; hinzu kam das Durchforsten von Fachartikeln, Magazinen und zahlreicher anderer Quellen, sowie diverse Kooperationen mit Instituten als Bezugsquellen. Die ganze Recherchearbeit wurde immer komplexer und nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Es musste eine andere Lösung her. Auf der Suche nach einer langfristigen digitalen Lösung ist man schließlich auf den ITONICS Trendradar aufmerksam geworden. Nach einer ersten Pilot-Phase wurde das Tool schließlich innerhalb der ganzen Firma ausgerollt. Heute sind auf der Plattform knapp 100 aktuelle und für die Mobiliar relevante Trends abgebildet, welche aus einem wissenschaftlichen Gesamtpool ausgewählt wurden. Neben der Visualisierung von Mega- und Makrotrends auf der Plattform gibt es zudem die Möglichkeit Signale (=kleine unberechenbare Ereignisse/ Disruptionen am Markt)  zu beobachten, entsprechende Ableitungen zu treffen und ebenfalls mit auf dem Radar abzubilden. Zusätzlich wurden in der Vergangenheit 6 Kriterien zur Trend-Einordnung definiert, welche in regelmäßigen Abständen innerhalb des Teams neu ausgelotet und bewertet werden. Hierzu zählen z. B. die Relevanz eines Trends; sprich, wie wichtig ist er für die interne Strategie, welchen Einfluss hat er auf das Fortbestehen und den Erfolg der Organisation und wo ist er auf dem zeitlichen Horizont einzuordnen? Sind erstmal alle Trends auf dem Radar verortet und teamintern (vor-)bewertet, erfolgt eine weitere, gesamtheitliche Bewertung der Trends sowohl auf Managementebene, aber auch innerhalb eines externen Personenkreises, um die Bewertung zum einen objektiv zu gestalten, aber auch, um möglichst viele verschiedene Blickwinkel in die Bewertung zu integrieren. Die Quintessenz ist am Ende eine Reduktion von 10-15 Top-Trends, welche im Rahmen von Szenarioworkshops noch einmal näher beleuchtet werden. 

Szenarien skizzieren, bewerten und Strategien ableiten

Ziel dieser Workshops ist es, mit einem Personenkreis bestehend aus 20-30 internen und externen Experten mögliche Zukunftsszenarien aufzuzeigen, welche sich thematisch um die im Vorfeld identifizierten Top-Trends drehen. Hierbei gilt es, nicht nur ‘die eine’ Zukunft abzubilden, sondern in alle Richtungen zu denken, um eine breite Palette an möglichen Zukunftsszenarien mit entsprechenden Auswirkungen aufzustellen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema “Klimawandel”: Wie sieht eine Welt 2030 aus? Wie und wovon leben wir dann? Welche Rolle spielen Wirtschaft und Politik? Diese und andere Fragen gilt es im Rahmen der Workshops zu sammeln und möglichst vielschichtig zu beantworten. Dabei gilt es nicht nur möglichst plausible und/ oder realistische Szenarien aufzuzeigen, sondern darüber hinaus auch kreative oder gar utopische Zukünfte zu skizzieren und im Anschluss mit zu erwartenden Chancen und Risiken zu besetzen.

Neuer Call-to-Action

Ist ein Szenario erst mal definiert, wird in Anlehnung daran ein entsprechendes Leitbild designt, welches in die Gesamtstrategie der betroffenen Organisation mit einfließt. In Absprache mit den von der Strategie betroffenen Instanzen, wie z. B. dem IT- oder Portfoliomanagement, wird nun geprüft, ob die aus den Szenarien abgeleitete neue Strategie Differenzen zur aktuell gefahrenen Strategie aufweist und falls ja, entschieden, wo Handlungsbedarf besteht. Konkret gilt es auf dieser Basis die Frage zu beantworten ‘Wie und wo müssen wir heute tätig werden, um kurz- mittel- oder langfristig (je nach Handlungsfeld) eines unserer präferierten Zukunftsszenarien zu erreichen.’ Doch nicht immer ist auf einen Blick klar, welche konkreten Maßnahmen zur erfolgreichen Strategieumsetzung zu ergreifen sind. Besonders bei Szenarien, die sich auf der Zeitachse weiter hinten einordnen (>5 Jahre), ist es oft schwierig Chancen und Risiken richtig auszuloten.

Wir möchten eine Zukunft mitgestalten und nicht nur drauf reagieren können. Und das kannst Du nur, wenn Du weißt, was kommt und die richtigen Antworten parat hast.

Für einen solchen Fall hat das Innovationsteam der Mobiliar im Laufe der Jahre ein ganzes Netzwerk an Partnerschaften und Kooperationen aufgebaut, mit denen je nach Bedarf, größere und kleiner Projekte durchgeführt werden, um trendbasierte Hypothesen zu testen und schlussendlich Antworten zu finden, um diese an die betroffene Organisation weiterreichen zu können. Dieses Netzwerk umfasst, neben den Innovationsaktivitäten des eigenen Foresight-Teams der Mobiliar, auch Projekte mit verschiedenen Partnerorganisationen und Vereinen, deren gemeinsame Aktivitäten darauf abzielen, die Schweiz als digitales und innovatives Land weiter voranzutreiben. Des weiteren ist die Mobiliar aktiv in diverse schweizer Accelerator Programme eingebunden, woraus sich bereits zahlreiche Kooperationen mit Startups ergeben haben. Auch im akademischen Bereich ist die Mobiliar in ein breites Hochschulnetzwerk eingebunden und hat in der Vergangenheit bereits mehrere erfolgreiche Projekte mit Studenten durchgeführt. Um aber auch einen Blick über den europäischen Tellerrand hinaus zu werfen, gibt es neben all den genannten Schweizer Kooperationen auch feste Partner im Ausland, wie bspw. in den USA - im Silicon Valley, mit denen die Mobiliar ebenfalls in regelmäßigem Austausch steht.

Wonach sich die Wahl der jeweiligen Kooperationspartner dabei richtet, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Je nach Hypothese muss immer wieder neu abgewogen werden, welches Format sich am besten eignet. Handelt es sich um die Klärung von Chancen und Risiken, allerdings auf einem Gebiet, zu dem es bislang keine validen Erkenntnisse gibt (z. B. Thema ‘Blockchain’ im Versicherungsumfeld), würde sich die Durchführung einer Grundlagenstudie anbieten, um überhaupt erstmal eine gewisse Wissensgrundlage zu schaffen. Bei deutlich klareren Themen mit konkreten Lösungsideen oder konkreten Kundenbedürfnissen ist man bereits deutlich weiter und kann direkt ein Kooperationsprojekt mit einem Startup initiieren oder einen konkreten Piloten mit einer anderen Organisation durchführen. "Meistens liefert aber ein Format alleine nicht die Antwort auf alle Fragen", so Maren Kottler, weshalb in der Regel mehrere Möglichkeiten miteinander kombiniert werden und somit jede einzelne Aktivität zu einem eigenständigen Projekt heranwachsen lässt.

Innovation braucht einen Motor, der sie antreibt

Dass dieses Vorgehen der Mobiliar sich in den vergangen Jahren als erfolgreich herausgestellt hat, kann Maren ganz klar bestätigen. Ein Blick in das nähere Wettbewerbsumfeld zeigt, dass sich die Landschaft hier in den letzten Jahren verändert hat. Wer nicht bereit ist zu innovieren, wird früher oder später von der Landkarte verschwinden. Als großes, erfolgreiches Unternehmen ist die Verlockung groß, sich einfach zurückzulehnen, die Cash Cows zu melken und die Dinge einfach weiterlaufen zu lassen. Doch was noch heute Garant ist für Erfolg, kann schon morgen längst überholt sein.

Wer heute nicht in der Lage ist, einen Blick in das Morgen zu werfen, der kann schon übermorgen Vergangenheit sein.

Ganz entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass große und komplexe Unternehmen oft nur oberflächlich, nicht aber im Kern innovierbar sind, hat die Mobiliar in den letzten Jahren genau das Gegenteil bewiesen. Allerdings braucht es dafür auch die eine wichtige Person an der richtigen Stelle, die die Dinge vorantreibt und auch ganz klar sagt ‘Nein, wir machen das jetzt mal anders!’. So auch der CEO der Mobiliar, der den Blick über den Tellerrand gewagt hat und maßgeblich zu einer Kursänderung der Mobiliar beigetragen hat, indem er neue Ansätze und Methoden, wie das Design Thinking in die Firma eingebracht, und somit für Maren und ihr Team die Weichen für erfolgreiches Innovieren gestellt hat. "Wir leben in den Träumen unserer Vorfahren!", so Marens abschließende Worte, "und genau das macht es für mich so spannend, weil ich weiß, dass alles, was wir heute bewegen und antreiben mit dazu beiträgt, die Zukunft für diejenigen zu gestalten, die nach uns kommen werden.”

Wir danken Maren für dieses spannende Interview.

Trends-and-Technologies-Innovating-Banking-Industry-VoiceDas ganze Innovation Rockstars Interview gibt's auch als Podcast auf Spotify und Apple Podcast oder als Video.

Maren KottlerMaren Kottler begann ihre berufliche Laufbahn mit einem dualen Betriebswirtschaftsstudium bei IBM Deutschland, das ihr auch als Sprungbrett zur Leitung des Software- und Hardware-Projektleiterin bei IBM Schweiz diente. Während eines fast zweijährigen Abstechers als Mitglied der Geschäftsleitung der Mobile Application Agentur war sie verantwortlich für Projektmanagement und -entwicklung, bis ihr Weg sie schließlich 2015 in das Innovationsmanagement der Mobiliar führte. In ihrer Funktion als Leiterin des Innovationsmanagements ist sie für das Innovations- und Trendmanagement zuständig und befähigt ihre Mitarbeiter, unter Einsatz von Design Thinking und anderen kreativen Methoden das Übermorgen auszuloten, die Zukunft emotional erlebbar zu machen und mit der Gegenwart zu verbinden.

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