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Warum ein Tech-Team in Kathmandu?

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By Mike Durst

“Hey Deepak, was geht in Indien?” – “Ich habe keine Ahnung, ich bin Nepalese!”
Das war der Ausgangspunkt für meine erste Reise nach Kathmandu im Jahr 2011. Heute haben wir in Nepals Hauptstadt in 1.400 m Höhe ein Team von fast 60 Personen und wachsen permanent weiter. Wie kam es eigentlich dazu und warum ist Nepal nicht nur ein großartiger Ort, wenn es um Kultur, Essen, Natur und die höchsten Berge der Welt geht, sondern gerade auch für gute Softwareentwicklung?

Wie alles begann

Deepak arbeitete während seines Masterstudiums an der örtlichen Universität in unserem Nürnberger Büro. Als Kleinstadtjunge dachte ich, er käme aus Indien – so kam es dann auch zu der Frage am Anfang der Story. Nachdem ich erfuhr, dass es sich bei seinem Heimatland keineswegs um Indien sondern um Nepal handelte, unterhielten wir uns über die dortige Wirtschaft, die Kultur und die aufstrebende und wachsende Softwareindustrie. ITONICS brauchte dringend qualifizierte Mitarbeiter, so dass wir einige Wochen später den billigsten Flug buchten (Oman Air – solltet ihr um jeden Preis vermeiden!) und uns im staubigen Chaos von Kathmandu wiederfanden. Abgesehen von den Stromausfällen, Treibstoffmangel und dem geschäftigen Treiben (zumindest aus meiner Sicht ;-)) auf den Straßen, verliebte ich mich sofort in die freundliche und positive Energie, die überall zu spüren ist. Es scheint einen ganz besonderen Spirit zu geben. Jeder begegnet dir mit Höflichkeit, teilt ein Lächeln und nähert sich den täglichen Herausforderungen mit einer unglaublich positiven Einstellung.

Am nächsten Tag fanden die ersten Gespräche mit einem lokalen Softwareentwickler statt und wir diskutierten unsere aktuellen und künftigen Herausforderungen. Nach ein paar weiteren Tagen hatten wir ein sechsköpfiges Team und konnten loslegen. 

ITONICS Kathmandu entsteht

In der Straße vor dem Büro ist heute Tag und Nacht Betrieb.

Einige Monate später stellten wir leider fest, dass unser wachsendes Team in Kathmandu aufgrund mehrerer Projekte mit anderen Kunden, um die sie sich neben der Zusammenarbeit mit uns kümmern mussten, unter großem Druck stand. Wir prüften die Möglichkeiten zur Gründung einer 100%igen Tochtergesellschaft und starteten so schnell es ging einen eigenen Betrieb. Dank eines fantastischen Teams vor Ort fanden wir die perfekten Büroräume und konnten einen Arbeitsplatz mit ähnlichen Standards wie in unseren Offices in Deutschland oder den USA schaffen. Wir mussten eine Menge technischer Ausrüstung rüber schmuggeln, da die neueste Technologie in Nepal damals noch nicht verfügbar war. Jetzt ist natürlich alles zu 100% offiziell und wir haben einen professionellen lokalen Computer-Hardware-Importdienst gefunden :-).

Unser erstes Büro im 4. Stock

Wir sind heute noch im selben Gebäude im Stadtteil Hanumanthan, Anamnagar. Unser siebenköpfiges Team ist aber mittlerweile auf etwa 60 Mitglieder angewachsen. Auch hier geht uns langsam der Platz aus, so dass wir bald auf ein weiteres Stockwerk ausweichen müssen (danach gibt es eigentlich keine Optionen mehr, da wir bereits drei Stockwerke und das Dach belegen).

Stromausfälle und Erdbeben

Welche Herausforderungen haben uns in diesen acht Jahren Geschäftstätigkeit in Kathmandu auf Trab gehalten? In den ersten Jahren war vor allem die Internetverbindung (Geschwindigkeit und Stabilität) ein Thema. Ich kann mich an keine Telefonkonferenz erinnern ohne ein “deine Stimme knackt.. Wir können dich nicht verstehen!”. Heute führen wir HD-Videoanrufe durch und die Verbindung in Kathmandu ist meistens sogar besser als in Deutschland. Aufgrund anfänglicher Stromausfälle (bis zu 14 Stunden pro Tag) mussten wir eine Menge in Generatoren, Batterien und andere Backup-Infrastrukturen investieren. Ich erinnere mich, dass ich am späten Abend mal auf dem Dach stand und auf eine dunkle Stadt mit nur wenigen beleuchteten Gebäuden mit Stromanschluss herabblickte – hauptsächlich Banken und Regierungsgebäude. Alle anderen verwendeten Kerzen oder batteriebetriebene Leuchtmittel. Klar ist das ein Stück weit romantisch, aber ein großes Problem für Unternehmen. Heutzutage beträgt der maximale Stromausfall einige Minuten pro Tag und ist somit kein großes Ding mehr.

Im April 2015 erschütterte dann ein schweres Erdbeben Nepal und tötete fast 9.000 Menschen. Wir hatten das große Glück, dass bei uns nur das Gebäude und die Inneneinrichtung zu Schaden kamen. Nach der Überprüfung der Gebäudestatik waren wir nur wenige Tage nach der Katastrophe wieder einsatzbereit. Das Land spürt die Folgen des Erdbebens immer noch jeden Tag und es wird wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, bis in den betroffenen Regionen wieder Normalität eingekehrt ist.

Der ganz normale Wahnsinn

Die aktuellen Herausforderungen hängen vor allem mit dem starken und unkontrollierten Wachstum in Kathmandu zusammen: Der Verkehr hat explosionsartig zugenommen, der Flughafen schafft es kaum, die wachsende Nachfrage zu decken und die Luftqualität verschlechtert sich von Tag zu Tag. Viele Expats nennen die Stadt deshalb auch “Dustmandu” – eine klare Aussicht ist heutzutage eher selten. Das öffentliche Verkehrsnetz hinkt hinterher, die Regierung braucht ewig, um Entscheidungen zu treffen und zu handeln und auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist immer noch ein großes Problem. Dazu kommen die Schwierigkeiten, ein Visum für unsere nepalesischen Kollegen für einen Besuch in Deutschland zu beantragen. Woran man zu Beginn auch nicht denkt, ist die Zeitdifferenz von GMT +5:45 – echt verwirrend (zumindest in den ersten Wochen)!

Nepal, Namaste!

Abgesehen davon erleben wir in unseren Teams viele gut ausgebildete, motivierte, tatkräftige und fleißige Menschen. Die Kommunikation ist offen und ehrlich und auf Grund eines mehr oder weniger intensiven Austauschprogramms sind wir viel zwischen Deutschland und Nepal unterwegs. Der Sprachunterschied war nie ein Thema und auf der kulturellen Seite gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Eines fällt mir bei jedem Besuch immer wieder auf: Nepalesen lieben Musik, Gesang und Tanz. Und sie sind darin definitiv besser, als ich es je sein könnte… Einer unserer Produktmanager aus Nürnberg verbrachte sechs Monate in Kathmandu und sogar einige unserer Kunden waren schon mal vor Ort und haben die Kollegen im Office besucht. Unsere Teams legen viel Wert auf Teambuilding-Aktivitäten und leisten auch lokal viel Unterstützung. Wenn man drüben ist, fühlt es sich einfach viel mehr nach Familie als nach Arbeit an :-).

Wenn ich nach acht Jahren und zehn Trips nach Nepal zurückblicke, kann ich jeden ermutigen, in dieses unglaubliche Land zu investieren und demnächst mal einen Besuch einzuplanen. Kontaktiert mich gern jederzeit, wenn ihr Tipps benötigt. Namaste! 🙂